BARE Perspektiven N°7

Arbeitsmigration von Roma* aus Südosteuropa

Montag 20.November 2023, 19 Uhr | Grüner Salon der Volksbühne Berlin, Rosa-Luxemburg-Platz 2, 10178 Berlin | Eintritt frei

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Deutschland und der deutsche Wirtschaftsstandort benötigen händeringend Fach- wie ungelernte Arbeitskräfte. Nicht zuletzt auch um seine brüchigen Sozialsysteme abzusichern. Diese Erzählung hören wir schon seit Längerem von den Verantwortlichen.

Bei der Auswahl dieser Arbeitskraft jedoch geht das europäische Migrationsregime, das von der EU- und den nationalen Grenzen bis in die Kommunen und die Jobcenter hinein wirkt, selektiv, fragmentierend und rassifizierend vor. Die Zugangsbedingungen sind längst nicht für alle gleich: Angehörige der Gruppe der Roma* sind Ausschlüssen und Beschränkungen in besonderer Weise ausgesetzt.

Über diese Ausschlüsse, ihre Wirkweisen und Möglichkeiten des kollektiven Umbruchs diskutierten am 20.November 2023 im Rahmen der 7. BARE Perspektiven die folgenden Gäste: Jure Leko gab einen Überblick über den geschichtlichen Verlauf der Arbeitsmigration nach Deutschland und maßgebliche Zäsuren derselbigen, sowie Bleiberechtskämpfe der Roma* in Deutschland. Er betonte weiterhin die Funktion eines Ausschlusses der Roma* durch das Migrationsregime zu dessen Macht- und Herrschaftserhalt. Dem schloss sich auch Janka Vogel an, welche in ihrem Beitrag deutlich machte, dass in der gesetzlich verankterten europäischen Arbeitnehmer*innenfreizügigkeit die Menschen, welche diese Arbeitnehmer*innen auch sind, sowie deren individuelle Bedarfslagen nicht mitgedacht würden: Sozialsysteme würden dem Bedarf bei weitem nicht gerecht, zumal auch die Heterogenität der Gruppe kaum Betrachtung erführe. Es brauche mehr Beratung in den Muttersprachen der Menschen vor allem aus Moldau, Bulgarien und Rumänien, pflichtete auch Milena Ademovic bei. Generell müsse die institutionelle Landschaft noch viel mehr sensibilisiert werden für Bedarfe der Zielgruppen, es brauche mehr Zusammenarbeit, zum Beispiel zwischen Jobcentern und Selbstorganisationen. Moderator Christoph Leucht stellte die Frage, warum das Narrativ der „Armutsmigration“ noch immer in vielen Köpfen und Institutionen vorherrsche, wenngleich es in der Realität eine Vielfalt an Lebensrealitäten gäbe und, wie Jure Leko betonte, die Beschäftigungsquoten von Menschen aus Südosteuropa nur knapp unter jener der deutschen Bevölkerung lägen.

Das Panel diskutierte Leerstellen und Unzulänglichkeiten des deutschen Systems der Arbeitsmigration und stellte im nächsten Schritt eine lange Liste fruchtbarer Optionen der Veränderung zusammen, welche in Politik, Sozialarbeit und (Selbst-)Organisationen Wurzeln schlagen und Narrative und Situation von Roma* in der deutschen Arbeitsmigration nachhaltig verändern könnten.

Hier können Sie den gesamten Mitschnitt des Panels ansehen.

Panelbesetzung

Milena Ademovic (Kulturen im Kiez) verweist auf Fallbeispiele aus der Beratungspraxis, Jure Leko (wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Diskriminierung osteuropäischer Menschen auf dem Arbeitsmarkt: Institutionelle und individuelle Kontexte“ des BKGE) gibt einen Überblick über die Geschichte der europäischen Arbeitsmigration, Janka Vogel (Rumänistin) wirft einen spezifischen Blick auf die Situation von Roma* aus Rumänien und Moldau. Die Moderation übernimmt Christoph Leucht (Hildegard-Lagrenne-Stiftung).

Mit freundlicher Unterstützung der